Also zunächst nochmal für alle, mir geht es gut, ich war weit genug vom Epizentrum des Erdbebens weg. Davon erfahren hab ich übrigens nur aus dem Internet, hier hat niemand etwas erwähnt. Rückblickend hab ich es aber schon mitbekommen. Als ich gestern spät nachmittags im Bett lag, hatte ich das Gefühl, im Bett über mir würde jemand rumwackeln, dabei war ich allein im Zimmer. Aber schon Wahnsinn, nur einen Tag früher und ich wäre genau dort gewesen. Oder wenn ich, wie ursprünglich geplant, erst zum Golden Rock und dann nach Bagan gefahren wäre... Der Tempel mit den vielen Menschen drauf, der in einer Onlinenachricht gezeigt wurde, weil er stark beschädigt wurde, ist genau der, auf dem ich vor drei Tagen auch saß. Und wohl mit die letzten Sonnenuntergangsfotos von dort gemacht hab. Ich hoffe einfach, dass es allen, die ich dort kennengelernt habe, auch gut geht.
So, jetzt aber zu mir. Heute früh wachte ich gut erholt und deutlich fitter auf, frühstückte auf der Dachterrasse den obligatorischen Toast und stand um 9 vor der Tür. Mein Mototaxifahrer auch. Und los gings. Zunächst fuhr er mich zur Mahamuni Paya, der wohl bedeutendsten Pagode hier. Da dürfen die Männer ganz feine Goldschichten drauf kleben, sind wohl schon etwa 20cm dicke Schichten...
Danach gings weiter nach Sagaing. Wir fuhren am Ayeyarwady River entlang, der sich in der Regenzeit ganz schön ausgebreitet hat. Irgendwie war überall nur noch Wasser! Und an der Straße entlang leben wohl die Ärmsten der Armen. Teils in echt unzumutbaren Verhältnissen, labbrige Hütten aus Schilf, Plastikplanen und Wellblech und einige schienen auch noch halb davon zu schwimmen, dank Monsun. Echt schrecklich. Möchte mal wissen, wie die alle überleben. Haben nur ein paar abgemagerte Kühe oder Ziegen, manche verkaufen kilometerweit Wassermelonen, der Rest sitzt nur rum. Wir verließen das Elend und fuhren über eine recht neue Brücke über den Fluss. Dann musste ich zu Fuß auf den Sagaing Hill. Mal wieder mit einigen Treppen. Oben angelangt ein Kloster und ein paar Tempel, wie immer ;-) Und ein echt grandioser Anblick über zig goldene Pagoden, den Fluss und das Land, das da wäre, wo jetzt auch Fluss ist.
Wieder unten gabs ne schnelle Coke und dann gings weiter nach Inwa. Das war wohl vor Jahrhunderten Sitz des Königs, davon merkt man aber nix mehr. Einfachste Hütten, auch halb überschwemmt. Nur landwirtschaftlichen Methoden erinnern noch an die alten Zeiten... Um dorthin zu kommen, muss man mit einem Boot über den Fluss. Danach erwarten einen Pferdewagen. Der eigene Motofahrer ist da nicht erwünscht. Da ich Pferde ja echt nicht riechen kann, gings halt erstmal zu Fuß los. Bis mir zur Abwechslung ein Mototaxi angeboten wurde. Ich ging so lange weiter bis der Preis halbwegs passte, dann stieg ich auf. Zuerst gings zur Hauptattraktion, einem alten Holzkloster. Ganz ehrlich, ich hatte mehr erwartet. Ein fast leeres sehr großes Haus. Am interessantesten waren noch die beiden Kindermönche, die fleißig irgendwelche Verse aufsagen mussten. Dann gings noch zu einigen weiteren Sachen. Besonders zu erwähnen ist wohl der Watchtower, den konnte man nämlich wegen Einsturzgefahr nur von außen watchen...
Da ich schneller war als zu Pferd, blieb noch genug Zeit für eine Stärkung in einem Restaurant am Fluss. Saft und was mit Gemüse und Reis, dann noch den üblichen Eiskaffee. Ich ließ mich wieder über den Fluss schippern und mein lieber Fahrer erwartete mich schon. Inzwischen war es vier und nun ging es zum Highlight des Tages: Der U-Bein Brücke in Awarapura. Die längste Teakholzbrücke der Welt, über 1300yd lang sagt der Lonely Planet (es geht doch nix über die englische Version samt Längenangaben. Aber 1km wars bestimmt...). Beruhigend, die meisten der über 1000 Pfosten sind noch original... Momentan schaut sie gar nicht so weit aus dem Wasser, in der Trockenzeit ist das wohl anders, dann ist da teilweise festes Land drunter. Heute nur schwimmende Kinder und Angler, direkt im Wasser stehend. Ich tapste einmal auf die andere Seite und wieder halb zurück, wo ich mich hinsetzte, um auf den Sonnenuntergang zu warten. Dabei konnte ich in aller Ruhe Leute beobachten, hier ein paar Eindrücke, teils schon etwas skurril:
- Buddhistische Mönche. Besonders authentisch, wenn sie mit Sonnenbrille auf der Brücke stehen und mit ihrem Smartphone Selfies machen...
- Burmesische Checker in riesigen Rudeln. Gaaaanz unglaublich cool, wenn auch manchmal im traditionellen Röckchen. Mit Cap, Sonnenbrille und natürlich Smartphone für noch mehr Selfies... Und die coolsten fragen dann die Touris nach Selfies, bin heute auf mindestens vier Smartphones gebiltzdingst worden.
- Horden kichernder Mädels. Aufgebrezelt und mit Plateauflipflops. Viele lächeln einen total freundlich, wenn auch schüchtern an und sind extrem begeistert, wenn man es erwidert.
- Bettelnde Kinder dazwischen. Die aber die Ausländer noch nicht als Beute erkannt haben (zu schüchtern?!?). Sie bettelten nur Einheimische um Geld und Essen an.
Ja, das alles konnte ich beobachten, während ich auf den Sonnenuntergang wartete. Es was etwas zu wolkig, aber Glotzkowski holte wieder mehr raus als überhaupt da war. Als es dunkel wurde, fuhren wir zurück zum Hostel und ich ging schnell noch ne Kleinigkeit gegenüber essen. Dann duschte ich und checkte den Bus nach Kalaw aus. Wird wohl der Nachtbus morgen, fährt um zehn und braucht dieses Mal angeblich wirklich 8h. Hoffe das stimmt ausnahmsweise mal. Wie oft will man schon, dass ein Fahrt länger dauert als angekündigt...
Dann wollte ich auf die Dachterrasse, aber irgendwie ist da tote Hose. Der Fernseher läuft, aber zu trinken gibts nix, also bin ich wieder in meinem Zimmer gelandet, ist irgendwie gemütlicher. Dann werd ich wohl noch etwas lesen. Gute Nacht
Donnerstag, 25. August 2016
25.08.16 Mit dem Mototaxi um Mandalay
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen